Gaby Rückert ...
Es
gibt Interpreten, bei deren Namen man sofort an genau ein Lied denkt,
trotz vieler anderer Hits. Bei Gaby Rückert ist das „Berührung". Es
leitete eine langjährige Zusammenarbeit des Dreigespanns mit Thomas
Natschinski und Ingeburg Branoner ein. Der Titel brachte eine neue Farbe
in die DDR-Popmusik. 250 000 Mal ging die gleichnamige Langspielplatte
über den Ladentisch. Das Lied zeigte Gaby Rückerts besondere Stärke, das
balladeske, melancholische Lied - irgendwo zwischen Rock, Pop und
Schlager, keinem Genre genau zuzuordnen, aber deren Vorzüge in sich
vereinend. Dafür stehen „Teil mit mir", „Augenblicke" (Duett mit Thomas
Natschinski), „Ich will leben", „So wie ein Leuchtturm in der Nacht" bis
hin zu „Seitenflügel Hinterhof'. Diesem Stil blieb sie in den Jahren bis
zur Wende bis auf wenige Ausnahmen („Jonathan") treu.
Musik ist Gaby Rückerts Leben. Schulchor, Singeklub,
Gitarrenunterricht, Studentenband. „Meine Mutter wollte, dass ich
Medizin studiere. Aber ich beliess es bei der Berufsausbildung mit
Abitur und dem Staatsexamen als Krankenschwester, die Musik zog mich in
ihren Bann."
Das Studium an der Musikhochschule „Franz Liszt" in Weimar schloss
sie 1975 ab, absolvierte im Orchester Fips Fleischer 1974/75 ein
Praktikum, musizierte auch in der Bigband Hellmut Richter in Dessau. Der
1976 bei einem Interpretenwettbewerb ersungene Nachwuchspreis brachte
ihr einen Fördervertrag beim Komitee für Unterhaltungskunst ein:
kostenlosen Gesangs- und Bewegungsunterricht, sogar zwei Wochen
Steppunterricht in Prag.
Ins Jahr 1978 fiel der Senkrechtstart in den Medien mit dem Titel
„So ging noch nie die Sonne auf" von Siegfried Schulte (Musik) und
Dieter Lietz (Text). Im „Schlagerstudio" und bei „Einmal im Jahr"
marschierte sie gleich in die erste Reihe der DDR-Schlagerstars. Dort
sah Veronika Fischers Erfolgskomponist Franz Bartzsch sie und bot ihr
die Zusammenarbeit an. „Hochzeitmachen" und „Du, mir geht es gut"
erschienen auf Amiga-Single. Das sorgte für ein wenig Eifersucht, es
blieb bei der Platte.
Textautorin Ingeburg Branoner jedoch vermittelte den Kontakt zu
Thomas Natschinski. „Erst war ich gar nicht so begeistert, ich fand
seine Sachen aus den 70er Jahren, wie er sie selbst sang, ein wenig zu
seicht. Aber wir rauften uns zusammen und heraus kam ,Berührung. Eine
Sternstunde." Das andauernde Hoch bescherte ihr schon 1982 die nächste
LP „Guten Tag". „Zu einem Bruch kam es, als ich ablehnte, mich im
Zentralrat der FDJ politisch zu betätigen", erinnert sich Gaby Rückert.
„Ich durfte zwar weiter produzieren, aber nur noch tröpfchenweise und
später auch nicht mehr bei Amiga." Es wurde ruhiger um Gaby Rückert,
aber Erfolge blieben nicht aus. Und so produzierte sie 1989 beim
Rundfunk zahlreiche Titel für eine dritte LP. Die Wende stoppte die
Produktion.
Privat ist sie seit 1988 mit Kollegen Ingo Koster (Gruppe Drei,
früher Thomas-Natschinski-Gruppe und Brot & Salz) zusammen, verliess für
ihn KaratSänger Herbert Dreilich. Sie nahm mit Ingo eine Auszeit,
jobbte im erlernten Beruf: Doch die Musik liess beide nicht los. Vor
ihrer Rückkehr aus dem zeitweiligen „Exil" in Niedersachsen entstanden
viele Titel. Die erste gemeinsame CD („Talisman"), zu der Gaby Rückert
erstmals fast alle Texte schrieb, erschien 1992 auf dem eigenen Label
Coster Records. Es folgten 2000 „Meine Geheimnisse" und 2003 „Immer
weiter geht die Reise" sowie mehrere Maxi-Singles. Im September wird die
CD „Talisman 2" veröffentlicht. Amiga, nun BMG-Label, veröffentlichte
1996 die grössten Erfolge auf CD.
Weitere Infos unter
www.gabyrueckert.de
(Text von PETER-MICHAEL JACHMANN aus der MOZ vom 30/31.07.2005)
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